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Hose aus Cord, Denim & Co. nähen: Schnitt für feste Stoffe anpassen
Du hast eine Hose aus Leinen genäht, sie sitzt perfekt, und jetzt soll sie aus Cord oder Jeansstoff entstehen? Dann wirst du oft überrascht: Dieselbe Hose sitzt plötzlich knapp, der Bund rutscht hinten nach unten und unter dem Po entstehen Falten. Hier erfährst du, warum das so ist und wie du deinen Schnitt Schritt für Schritt an feste, schwere Stoffe anpasst. Als Beispiel nehme ich meine Chinohose Limfjord.
Hintergrund
Welche Stoffe gelten als fest und schwer?
Gemeint sind Webstoffe, die dicht und kräftig sind und kaum nachgeben, zum Beispiel:
- Cord, also Feincord, Babycord oder Breitcord
- Denim und Jeansstoff
- Baumwolltwill, Chinostoff und Gabardine
- Canvas und Segeltuch
- Moleskin und Samt
- Wollstoffe wie Flanell, Tweed oder Loden
Warum
Warum dieselbe Hose aus festem Stoff anders sitzt
Jeder Schnitt ist etwas weiter als dein Körper. Diese Mehrweite bestimmt, wie locker die Hose sitzt. Bei einer schmal zulaufenden Hose wie der Limfjord ist sie an Po und Oberschenkel bewusst knapp:
| Größe 38 | Körpermaß | Fertigmaß | Mehrweite |
|---|---|---|---|
| Hüfte | 97 cm | 105 cm | +8 cm |
| Oberschenkel | 58,5 cm | 61,5 cm | +3 cm |
Leinen gibt durch seine Webart etwas nach, deshalb reicht das. Bei festen, schweren Stoffen kommen zwei Dinge dazu:
- Stoffdicke: Dicker Stoff, Flor und dicke Nahtzugaben nehmen innen Platz weg. Die Hose wird enger, als das Schnittmaß vermuten lässt.
- Gewicht: Schwerer Stoff fällt nicht weich am Körper herunter, sondern steht ab und zieht nach unten. Fehlt hinten Länge, rutscht der Bund deshalb noch deutlicher nach unten.
Ein paar Prozent Elasthan helfen etwas, machen aber die fehlende Weite nicht wett.
Schritt 1
Eine Größe größer zuschneiden
Schneide Vorderhose, Rückhose und Bund eine Größe größer zu, als du für Leinen nehmen würdest. So bekommst du an Hüfte und Oberschenkel die Weite, die der dicke Stoff braucht. Bei einer Hose mit Gummibund schneidest du das Gummiband weiterhin nach deiner eigentlichen Größe zu. Es zieht den etwas weiteren Bund auf deine Taille zusammen.
Schritt 2
Hintere Leibhöhe verlängern
Sitzt der Bund hinten zu tief und fällt in der Seitenansicht nach hinten ab, fehlt hinten Länge. Diese Länge gibst du nur an der hinteren Mitte dazu. Seitennaht und Vorderhose bleiben unverändert.
- Zieh deine Probehose an und miss, wie viel Länge dir in der hinteren Mitte bis zur richtigen Bundhöhe fehlt. Meist sind es 2–3 cm.
- Schneide die Rückhose unterhalb der Gesäßtasche waagerecht von der hinteren Mitte bis zur Nahtlinie der Seitennaht ein. Die Nahtzugabe an der Seitennaht bleibt ganz.
- Klappe das obere Teil am Drehpunkt hoch, bis die hintere Mitte um dein Maß auseinanderklafft, und klebe Papier unter.
- Zeichne die hintere Mitte als gerade Linie neu, bis sie in die Schrittrundung übergeht. Gleiche die obere Kante an der hinteren Mitte rechtwinklig an.
Schritt 3
Probe nähen und prüfen
Nähe die Probe möglichst aus einem Stoff, der deinem späteren Stoff ähnlich ist. Ein Probestoff ohne Stretch sitzt immer knapper als ein Stoff mit Stretch.
| Was du siehst | Was du tust |
|---|---|
| Der Bund sitzt hinten waagerecht. | Passt, nichts weiter ändern. |
| Vorne oder seitlich ist zu viel Weite. | Mehrweite an der Seitennaht abstecken und gleichmäßig auf Vorder- und Rückhose übertragen. |
| Der Bund fällt hinten immer noch ab. | Hintere Mitte noch einmal um die fehlende Länge verlängern. |
| Unter dem Po laufen schräge Falten zur Innenseite der Oberschenkel. | Hintere Schrittspitze verlängern, siehe Schritt 4. |
Schritt 4 · nur bei Bedarf
Hintere Schrittspitze verlängern
Bleiben unter dem Po schräge Falten, braucht der Po hinten mehr Platz im Schritt. Verlängere die Schrittspitze der Rückhose um 0,5–1 cm. Zeichne die Schrittrundung weich bis zur neuen Spitze und gleiche die Innenbeinnaht bis etwa Kniehöhe an. An der Vorderhose änderst du nichts.
Nähtipps
Tipps zum Nähen fester, schwerer Stoffe
Bund mit Innenbund aus dünnem Stoff: Ein Bund aus doppeltem schweren Stoff mit eingezogenem Gummi wird sehr dick. Teile den Bund an der Bruchlinie und gib an beiden Hälften 1,5 cm Nahtzugabe zu. Den Außenbund schneidest du aus deinem Oberstoff zu, den Innenbund aus dünnem Baumwollstoff.

- Taschenbeutel schneidest du aus dünnem Baumwollstoff oder Futter zu, nicht aus dem Oberstoff.
- Nahtzugaben an Kreuzungen, zum Beispiel an der Schrittnaht, schneidest du auf etwa 0,7 cm zurück. Dann trägt die Naht weniger auf.
- Strichrichtung bei Cord, Samt und Moleskin: Lege alle Teile in dieselbe Richtung auf, sonst schimmern sie in unterschiedlichen Farbtönen.
- Bügeln: Florstoffe wie Cord und Samt bügelst du nur von links mit einem Handtuch darunter. Wollstoffe bügelst du mit einem feuchten Tuch.
- Saum: Versäubere die Kante und schlage sie nur einmal um, nicht doppelt.
- Nadel: Nimm eine Jeansnadel (Stärke 90–100, bei Canvas und Denim auch 100–110) und eine etwas längere Stichlänge (3 mm).
Zum Mitnehmen
Alles als PDF und der passende Schnitt
Alle Schritte mit Zeichnungen findest du in der kostenlosen Zusatzhilfe zur Limfjord. Das Schnittmuster Limfjord ist eine legere Chinohose für Damen in den Größen EU 30–60. Im Nähvideo zeige ich dir die ganze Hose Schritt für Schritt.
Zusatzhilfe herunterladen (PDF)Zum Schnittmuster LimfjordNähvideo Limfjord ansehen
Mit diesen Änderungen sitzt deine Hose auch aus Cord, Denim oder Wollstoff so gut wie aus Leinen. Wenn du unsicher bist, schick mir gern Fotos deiner Probehose von vorne, von der Seite und von hinten an mail@seamone.de.
Simo



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